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Was meine Hände dir sagen wollen - als Physiotherapeutin.

Mein Leben bestand lange aus Bewegung – aber nie aus Ankommen.

Ich kannte nur eine Konstante: das Unbeständige und war geübt im Wegrennen

– vor mir selbst, der Welt und vor meinem eigenen Körper.

Ich überschritt meine Grenzen, funktionierte und war vertraut mit dem stetigen Heilungsweg. Irgendwann war ich müde. Und dann gab es diesen Moment. Eine Berührung. sanft. öffnend. Verbindend. Von einer Frau, die sich als Therapeutin dem Körper widmete, statt dem Kopf. Dem Berühren und Bewegen, statt dem Zerdenken. Ihre Hände ruhten auf meinen Schultern und Sekunden später flossen Tränen. Ich hatte mich noch nie so angekommen gefühlt. In mir. Wir alle sehnen uns nach Berührungen. Nach dem Gefühl, fühlen zu können. Unser Körper ist wie eine Pflanze, die ohne Aufmerksamkeit verkümmert. Doch mit Fürsorge und liebevollem Verständnis blüht er auf – wie eine Sonnenblume im Spätsommer. Die Entscheidung, Physiotherapeutin zu werden, schlich sich demnach langsam und leise in mein Leben. Denn als neurodivergente Frau habe ich schon früh verstanden, dass meine Art zu kommunizieren nicht immer Worte findet, meine Hände sprechen. In meinem Verständnis, sind die Arme, die Verlängerung des Herzens. Ich verstehe Körper und Gewebe mehr, wenn ich es fühle. Ich weiß, dass Trauma sich im Gewebe speichert und dass wir über Berührung einen riesigen Einfluss auf unser Nervensystem haben. Wenn ich berühre, verstehe ich. Wenn ich berühre, sende ich einen Teil meiner Energie in den Körper der verletzten Person. Wenn ich berühre, heile ich. Wenn ich berühre, spüre ich und ich sehe DICH. All den Schmerz, die Angst, die Trauer und ebenso all die Liebe, das Licht, die Hoffnung. Ich spüre es, in der Haut und den Augen all derer, die kämpfen. Die versuchen zu heilen. Ich werde Physiotherapeutin, weil ich der festen Überzeugung bin, in einer Welt, in der sich alles nur noch ums Optimieren und die Schnelligkeit dreht, dass ich genau da anhalten kann.Stehen Bleiben. Für mich und Andere. Dass ich einen Raum öffnen kann, indem der Körper wieder Körper sein darf, in dem Schmerz seine Berechtigung hat und die Stimme des Einzelnen gehört wird. Weil wir ohne Berührung, verloren wären. Wir sind mit unserem Körper verheiratet, vom Moment unserer Geburt bis zum letzten Atemzug, bis zum letzten Herzschlag. Egal wie viel sich in unserem Leben verändert, diese Konstante bleibt. Und es ist die Konstante, die mir fehlte. Sie war immer schon da. In mir. Was ich dir also sagen möchte: Dein Körper geht mit dir durch all die Guten und schlechten Zeiten, durch Dick und Dünn. Er bleibt bedingungslos bei dir. Egal wie schlecht wir ihn manchmal behandeln. Und es ist diese unfassbare Intelligenz in uns, die mich jeden Tag aufs neue fasziniert. Es ist wie Herz und Gehirn kommunizieren, wie wir Menschen ihren Lebensmut zurückgeben können. Wir sind vielleicht nicht so laut, so präsent in der Gesellschaft, aber wir sind Krieger des Lichtes. Krieger, die nie aufhören an Magie, Heilung und Gesundheit zu glauben.

Die versuchen in 20 min Behandlungszeit, eine Sache mitzugeben. Ein Gedanke, ein Gefühl, das vielleicht das Leben unserer Patienten für immer verändert. Es gibt einen Moment im Leben von jedem von uns. Eine Sekunde, die entscheidet. Diese Sekunde ist in der 5./6. Schwangerschaftswoche, während wir noch warm und unscheinbar in dem Bauch unserer Mutter liegen. Es ist die magische Sekunde, in der unser kleines Herz plötzlich einfach anfängt zu schlagen. Der Moment, in dem sich kleine Herzschrittmacher Zellen dafür entscheiden, dass wir leben dürfen. Und von dieser Sekunde an, verlassen sie uns nicht. Wenn ich Eines in den letzten 2 Jahren Ausbildung gelernt habe, dann dass der Körper immer für uns ist. Dass jede Krankheit eine Chance bietet und jedes Symptom ein Hilferuf ist, um hinzuschauen. Dass Psyche und Körper sich die Hand geben. Und das keine künstliche Intelligenz der Welt, je ersetzen kann, was Hände fühlen.

Ich bin Kriegerin des Lichts. So wie viele. Wir berühren. Wir bewegen. Wir begleiten.

Gebt uns mehr Zeit. In Liebe, Stella♥



 
 
 

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